Von der anfänglichen Scheu der Journalisten gegenüber Facebook, Twitter und Co ist heute nicht mehr viel übrig – Redaktionen, Agenturen aber auch Pressestellen diverser Unternehmen haben die Vorteile von Social Media längst erkannt und suchen verstärkt nach sogenannten „Social-Media-Redakteuren“. Aber was genau machen eigentlich ein Social-Media-Redakteure?

Vor allem im Medienbereich sind Soziale Onlinenetzwerke als Bestandteil journalistischer Arbeit einfach nicht mehr wegzudenken. Schon 2009 hat die New York Times Jennifer Preston als „Social Media Editor“ eingestellt. Ein Jahr später zog die BBC nach und stellte Alex Gubbay als Social-Media-Redakteur ein. BBC-Newsroom-Chefin Mary Hockday dazu in einem Interview mit trueslant:
„New social media platforms allow audiences to get, share and comment on the news, and are becoming distribution channels in their own right. Alex will lead our work in this area to build an open relationship with our audience, and make sure our distinctive journalism reaches as many people as possible.“
Um beim Auftritt im Social Web auch nichts zu vermasseln sind Leute mit gewissem Feingefühl für die Kommunikation in Onlinenetzwerken gefragt. Es macht keinen Sinn ständig nur Links in den Newsfeed zu speisen – der Dialog macht‘s. Und für diesen Dialog sind unbedingt Mitarbeiter notwendig, die wissen wie man im Social Web kommuniziert. Eine spezielle Ausbildung für Social-Media-Redakteure gibt es heute genauso wenig wie eine maßgeschneiderte Ausbildung für Journalisten.
Mit falschen Twitter-Account zum Job
„Das hier ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Da muss man mit dem Herzen dabei sein“, so Michael Umlandt, Social-Media-Redakteur des ZDF, im Interview mit journalist.de. Herzblut statt Ausbildung – Umlandt zeigt wie es gehen kann: kein Uniabschluss, keine journalistische Ausbildung und auch kein Praktikum beim ZDF – und trotzdem ist er heute genau dort Social-Media-Redakteur. Zusammen mit seinem Freund führte er einen falschen ZDF-Twitterkanal der nach wenigen Monaten schon 2.000 Follower hatte. Daraufhin schrieben sie eine Mail an ZDF und einige Zeit später durfte Umlandt ganz offiziell für ZDF twittern. Heute betreut er zusätzlich auch die ZDF-Auftritte auf Facebook und YouTube und schult seine Kollegen im Umgang mit sozialen Netzwerken und deren Usern.
Vom Lokaljournalist zum Social-Media-Redakteur
Ganz anders war das bei Lars Wienand: Er war von anfang an bei der Koblenzer Rhein-Zeitung dabei. – zuerst als Volontär dann als Lokaljournalist und heute als Social-Media-Redakteur. „Im Prinzip bin ich derjenige, der Social Media als weitere Nachrichtenagentur im Auge behält. […] Aber gut ein Drittel meiner Arbeitszeit schreibe ich selbst Texte für unser Onlineangebot.“ erzählt er im Interview gegenüber Out of Messel. „Meine Aufgaben sind auch die eines klassischen Journalisten: Ich muss Themen erkennen, umsetzen und verbreiten.“, so der 37jährige gegenüber journalist.de. Auch er findet, dass für diesem Job gewisses Feingefühl notwendig ist: „In jeder Redaktion sollte erkannt werden, dass man sich auf Social Media einlassen sollte. Nicht jeder Journalist soll es tun, aber jede Einheit braucht jemanden.“ so Wieland.
„Der Job hat Zukunft“
Social-Media-Redakteur ist noch ein ziemlich junger Beruf, dementsprechend schwer lässt sich auch der Arbeitsalltag verallgemeinern. Fest steht aber, dass jeder Social-Media-Redakteur die Social-Media-Plattformen von Unternehmen betreut. Welche Plattformen das sind und ob man auch selbst Artikel schreibt oder seine Kollegen schult, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Eine allgemeine Definition des Berufsbildes fehlt bisher. Was allerdings so gut wie sicher ist: Social-Media-Redakteure sind keine Eintagsfliegen – „Der Job hat Zukunft“, so Miguel Baptista im Interview mit journalist.de optimistisch.
Quellen:
journalist.de | „Liebe Fans, …“
Out of Messel | „Wenn jeder bei Twitter wäre, das wäre traumhaft“
Trueslant | „Q&A with Time’s Social Media Editor: all about the conversation”